Seit 30 Jahren sitzt Wolf Hertz-Kleptow im Aufsichtsrat der Stadtwerke Verden, seit zehn Jahren ist er dessen Vorsitzender. Zum 160-jährigen Jubiläum spricht er über Verantwortung, Dynamik und die besondere Rolle eines kommunalen Unternehmens.
Herr Hertz-Kleptow, Sie begleiten die Stadtwerke seit drei Jahrzehnten. Wann wird einem bewusst, welches Gewicht ein solches Unternehmen für eine Region hat?
Wenn man sieht, was alles dranhängt. Strom und Wasser sind selbstverständlich – bis sie einmal nicht da sind. Heute sind die Stadtwerke aber viel breiter aufgestellt: von der Wärmeplanung über den Ausbau eigener Energieerzeugung bis zum Verwell. Dazu kommt das Engagement für Vereine, Kultur und soziale Projekte. Dieses Jahr steht vor allem der große Förderwettbewerb im Mittelpunkt. Das macht ein kommunales Stadtwerk aus: Es ist vor Ort und die Entscheidungen betreffen direkt die Region.
Sie sind seit zehn Jahren Vorsitzender des Aufsichtsrats. Was macht gute Aufsichtsratsarbeit aus?
Vor allem Vertrauen und ein offener Austausch. Wir diskutieren durchaus intensiv, aber immer sachlich und mit dem gemeinsamen Ziel, die richtigen Entscheidungen für das Unternehmen und die Region zu treffen. Besonders schätze ich, dass wir häufig zu gemeinsamen, einstimmigen Beschlüssen kommen. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Der Aufsichtsrat entscheidet also nicht nur über Zahlen und Strategien?
Nein. Neben großen strategischen Themen beschäftigen uns auch ganz konkrete Projekte – vom Umbau des Kundencenters bis zur nächsten großen Entwicklung des Verwell. Für die Sanierung sind bereits rund 1,17 Millionen Euro Fördermittel bewilligt worden. Besonders freue ich mich über die Erweiterung der Saunalandschaft, die ich selbst mit angestoßen habe.
Die Energiewirtschaft hat sich rasant verändert. Wie erleben Sie diese Entwicklung?
Sie ist deutlich schneller und komplexer geworden. Heute müssen wir bezahlbare Angebote schaffen und zugleich in die Zukunft investieren. Mit unseren Zweijahresverträgen für Strom und Gas schaffen wir beispielsweise Versorgungssicherheit zu günstigen Konditionen. Mit Dirk Gabriel als Geschäftsführer ist zudem neue Dynamik ins Unternehmen gekommen. Er bringt neue Ideen ein und treibt Veränderungen voran. Allein kann niemand ein Unternehmen erfolgreich weiterentwickeln.
Und die Antwort liegt nicht allein in der Steckdose?
(Lacht.) Ganz sicher nicht. Stadtwerke müssen heute mehr können als Energie liefern. Sie müssen wissen, was die Menschen in ihrer Region brauchen. Deshalb beschäftigen wir uns mit Themen wie Photovoltaik und Wärmeversorgung. Gleichzeitig treiben wir die Modernisierung des Erlebnisbades voran und tragen damit zur Attraktivität der Region bei.
Wie schauen Sie in die Zukunft?
Ich blicke optimistisch nach vorn. Die Stadtwerke Verden haben in den vergangenen Jahren viel angestoßen und wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, meine Arbeit im Aufsichtsrat fortzuführen, würde ich mich auch weiterhin mit voller Überzeugung für unser Stadtwerk und die Menschen in der Region einsetzen.
Und was wünschen Sie den Stadtwerken Verden?
Dass sie mutig bleiben und sich den Bezug zur Region erhalten. Ich bin hier verwurzelt und habe früh gelernt, wie wichtig Verantwortung vor Ort ist. Ob in der Bildung oder in der Kommunalpolitik: Man muss zuhören, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und wissen, was die Region braucht. Ich glaube, genau darin liegt auch künftig die Stärke der Stadtwerke Verden.